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Die Grube Messel bei Darmstadt ist eine der bedeutendsten Fossilienfundstätten der Welt und seit 1996 UNESCO-Welt-naturerbe. Aufgrund ihrer Geschichte ist die Grube Messel ein äußerst viel­schichtiger Ort – zu Urzeiten ein von tro­pischem Regenwald umgebener Maarsee, ist sie durch den Öl­schie­fer­abbau von 1884 bis 1971 heute industriell geprägt. Das Grundstück des Be­sucher­zentrums liegt oberhalb der knapp 1km breiten und 70m tiefen Grube und wird begrenzt vom nicht bebaubaren Gru­ben­rand im Norden, angrenzenden Schlackehügeln im Westen, Wald im Osten und einem Industriegelände im Süden.

Neben Pioniervegetation und Wald finden sich auf dem Grundstück auch bauliche Relikte aus den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, als es Pläne gab, die Grube als Mülldeponie zu nutzen. Eine hierfür errichtete 5m hohe Wand führt entlang einer Aufschüttung zick­zack­förmig über das Gelände. An der Engstelle zwischen dieser Aufschüttung schiebt sich dem von Süden kommenden Besucher nun das neue Be­sucher­zentrum ins Blickfeld und erzeugt mit seiner markanten Kontur als weithin sichtbare Geste ein Fenster zur Landschaft, im metaphorischen Sinne ein Zeitfenster in die Geschichte der Grube Messel.

Der vorgefundene Ort wird zur Plat­zierung des Besucherzentrums genutzt, das sich an die bestehende Wand anlagert. Das Gebäude generiert sich aus zwei Elementen: den Unterbau bilden die an die Wand der Umladerampe angelagerten Ausstellungsräume; über diesen Sockel erstreckt sich ein langes schmales Dach, das im Bereich des neuen Vorplatzes das zweigeschossige Fenster zur Landschaft erzeugt. Von dem grubenseitig gegen das Gelände erhöhten Platzniveau haben die Besucher einen Panoramablick in die weite Grube. Der umgebende Birkenhain und die Schüttung aus vorgefundenen kleinen Ölschieferplättchen dienen im Freiraum zur Einstimmung der Besucher auf die Atmosphäre im Inneren der Grube. Das Gebäude schafft mit seiner Bekleidung aus wetterbeständigem Baustahl einen Bezug zur in­dus­trie­ge­schichtlichen Vereinnahmung des Ortes.

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