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Die ehemalige lineare Baustruktur entlang der Hauptstraße verhinderte bislang die Aus­bildung eines Zentrums in Königs­brunn, das sich aus dem ehemals längsten Straßendorf Bayerns zu einer Stadt mit 27.500 Einwohnern entwickelt hat. Im Wettbewerb sollte eine neue Mitte geplant werden, die der Grösse der Stadt gerecht wird und die die Funktionen eines Kulturhauses und eines Nah­ver­sor­gungs­zentrums aufnimmt.

Städtebau

Zwischen der Hauptstrasse und dem bislang abseits liegenden Rathaus wird durch die Platzierung des Kultur­hauses, der Schrannen­markthalle und eines Wohnquartiers ein öffentlicher Raum als Abfolge von Plätzen aufgespannt. Das Rathaus wird so in die neue Mitte eingebunden. Das schwebende Dach der Schrannenmarkthalle bildet zusammen mit dem Kulturwürfel ein gleichermaßen signifikantes wie auch identitätsstiftendes Gebäudeensemble.

Die entwickelten Platz­figuren besitzen unter­schied­liche Hie­rar­chien und Cha­rakte­ris­tiken. Der allseitig gefasste Marktplatz stellt das Herzstück der neuen Mitte dar. Er erstreckt sich südlich der Schrannenhalle zwischen Rathaus und dem vis-a-vis gestellten Kulturhaus, das den Marktplatz vom Stadtplatz trennt. Dieser öffnet sich zur Hauptstrasse und vermittelt so zum Park nach Nordosten.

Das Ab­rücken der östlichen Be­bauungs­kante von der der Haupt­straße erzeugt eine dritte Platzfigur entlang der gesamten Stadt­parzelle und setzt einen Wahr­nehmungs­akzent im ansonsten gleich­förmigen Straßenprofil. Durch die Stärkung und Vergrößerung der Grün­flächen zwischen Königs­therme und Gymnasium entsteht zudem ein zusammenhängender Park, der bis an die Hauptstrasse herangeführt wird und so im Stadtraum präsent ist. Der Park ermöglicht künftig eine Grünverbindung aus der unbebauten Landschaft bis ins Stadtzentrum. Die bauliche Ergänzung nördlich der Markt­straße und die gezielte Nach­ver­dich­tung westlich der Haupt­straße als Rahmung des Parks führen zu einer Präzisierung der räumlichen Konturen.

Schrannenmarkthalle

Wesentliches Charakteristikum der neuen Schrannenhalle ist das markante, auskragende Dach, das die groß­maß­stäb­lichen Einkaufs­funktionen unter sich vereint und zeichenhaft überspannt. Es bietet eine kon­ti­nuier­liche Raumhöhe von 4,25m für die geforderten Nutzungen Lebens­mittel- und Drogeriemarkt, Gas­tro­nomie und Schrannen­halle. Auf seiner Oberseite verleiht ihm die je nach Spann­weite variierende Kon­struk­tionshöhe eine land­schaftlich anmutende Topo­graphie.

Das Dach mit einem Grundraster von 2x2 m wird als Raum­trag­werk ausgebildet und besteht aus einem Stahlrost und qua­dra­ti­schen Holz­kas­setten. Es ruht auf wenigen Stahl­stützen. Je nach Nutzung sind die Holzkassatten als Oberlichter ausgebildet und sorgen für zenitales Tageslicht. Die pixel­artig ein­ge­streu­ten Lichtpunkte schaffen bedarfs­gerecht helle und dunkle Zonen in der neuen Schrannen­markt­halle.

Die eigentliche Schrannenhalle spannt sich zwischen der Gastronomie und dem Dro­ge­rie­markt auf. Sie liegt mit ihrer Breitseite zum Marktplatz und kann als unbeheizter Raum je nach Bedarf ganz offen oder über dreh- und verschiebbare Glaselemente vor Witterung geschützt werden. Sie bietet vielfältige Be­spie­lungsmöglichkeiten von Wochen- oder Flohmarkt bis public viewing.

Kulturhaus/Stadtbibliothek

Das neue Kulturhaus bildet den wich­tigs­ten öffentlichen Baustein der neuen Mitte und steht daher als kraftvoller Kubus vis-a-vis zum Rathaus. Seine Höhe verleiht ihm eine angemessene Präsenz im Stadtraum und ist weit sichtbares Zeichen der neuen Mitte. Das Haus ist präzise in der Figur der umgebenden Bebauung verankert und leitet seine Kantenlänge von 28 x 28m aus der entwickelten städtebaulichen Struktur ab.

Die funktionale Stapelung ermöglicht eine gut überschaubare Gliederung der kulturellen Nutzungen in sinnvolle Zonen – das Entrée mit Kulturbüro und Cafeteria, der Bürgersaal und die Stadtbibliothek.

Unterschiedliche Lufträume durchdringen den Kubus, erzeugen für die Benutzer ein räumlich spannendes Erlebnis, schaffen Blickbezüge in den Stadtraum und gewährleisten eine einfache Orientierung.

Den Auftakt im Gebäude bildet das Entrée mit Kulturbüro und Cafeteria, im 1.OG befindet sich der Bürgersaal mit einem zugehörigen Foyerbereich. Die Bibliothek verteilt sich auf die übrigen Obergeschosse und besitzt im 2.OG ihren zen­tralen Zu­gang. Dort sind auch die Ver­waltung und das Magazin platziert. Der Ver­anstal­tungs­bereich mit Lese­saal befindet sich im Dach­geschoss. Terras­sen auf ver­schie­denen Niveaus schaffen ab­wechs­lungs­reiche Lesezonen und bieten vielfältige Blicke in die Um­gebung.

Wohnquartier

Südlich des Marktplatzes entsteht ein urbanes Quartier mitten im Ort, ge­kenn­zeich­net durch eine aus­ge­wogene Nutzungs­mischung aus Wohnen, Handel, Dienst­leistung und öffent­lichen Ein­rich­tungen. Eine dichte Figur aus diagonal versetzten Stadthäusern bildet das städtebauliche Gerüst. In den Erd­ge­schoss­zonen zum Markt und zur Haupt­straße sind Läden und Gas­tro­nomie vorgesehen. Büros und Praxen befinden sich in den Ober­ge­schossen zur Haupt­straße und bilden einen Lärmfilter für das Wohn­quartier. Eine neue Krippe in der Nähe zum vor­handenen Kindergarten ergänzt die öffentliche Infrastruktur.

Die vor­geschla­gene und in der Höhe diffe­ren­zierte drei- bis vier­geschossigen Bebauung nimmt die Maßstäb­lich­keit der Umgebung auf. Das vor­geschla­gene System ermöglicht die Integration der vorhandenen Ein­fami­lien­häuser und des Kinder­gartens mit der Option einer stufenweisen Komplettierung. Ein eng­maschiges Netz aus Wegen durchzieht die insel­artige Baustruktur und verbindet die unter­schied­lichen Quartiers- und Spiel­plätze. Es ermöglicht den Bewohnern und Nutzern die Aneignung der Zwischen­räume und schafft ein leben­diges neues Vier­tel voller Kom­muni­kation und Begegnung. Privatgärten auf den ein­geschossigen Ladendächern und auf den leicht an­geho­benen Sockel­plateaus in Ver­bindung mit den Dach­terrassen und Loggien erzeugen ein grünes drei­dimen­sio­nales Patch­work und fördern gleich­zeitig eine lebendige Nach­barschaft im Quartier.

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