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Das Projekt ging aus dem Wettbewerb von 2005 hervor, der neben der Erweiterung der Martin-Luther-Schule auch die Neu­ge­stal­tung der be­nach­barten Stadt­halle um­fasste. Ziel ist die Inte­gra­tion aller Funk­tionen in einem neuen, multi­funktio­nalen Stadt­haus, dessen Kern die Sub­stanz der be­stehenden Stadthalle bildet.

Anfang 2007, über ein Jahr nach Ab­schluss des Wett­bewerbs, be­gannen die Pla­nungen für die Er­weite­rung der Martin-­Luther-Schule. In Folge neuer Vor­gaben und Rahmen­bedinungen für das Projekt nach Ab­schluss des Wett­bewerbs erfolgte eine Überarbeitung wesentlicher Teile des Entwurfs, insbesondere im Hin­blick auf die Umsetzbarkeit in Teil­ab­schnitten. An­gesichts des gros­sen Bau­volumens und der damit verbundenen finanziellen Herausforderung strebte die Stadt Marburg eine ab­schnitts­weise Umsetzung an. Mit dem Wett­bewerbs­ergeb­nis soll aber der Rahmen für eine nachhaltige Entwicklung an diesem Standort sichergestellt werden. Den Auf­takt in der Realisierung bildet der erste Bauabschnitt, der am südwestlichen Ende der be­ste­henden Stadt­halle platziert wird. Dieser Abschnitt umfasst als Er­weite­rung für die Martin-Luther-Schule rein schulische Nutzungen.

Ziel für die Schulerweiterung war die Ein­haltung des Passiv­haus­standards. Zur opti­malen Um­setzung dieser Vor­gabe ist die Schul­er­wei­te­rung als kom­pakter Baukörper aus­ge­bildet und im Grund­riss in drei Schichten zoniert: die Haupt­nutzräume orien­tieren sich nach Süden, die ge­schlos­senen Nebenräume sind im Nor­den an­geordnet, da­zwischen be­findet sich die Er­schließungs­zone.

Im Erd­geschoss bildet die Pausen­halle mit Cafe­teria den Anker­punkt. Sie öffnet sich über die volle Länge nach Süden auf eine Terrasse und zum Garten des Uni­ver­si­täts­mu­seums sowie nach Osten zum Schul­hof. Ein drei­ge­schossi­ger Luft­raum mit Ober­licht ver­bindet die Pausen­halle mit den Klassenräumen in den Ober­geschossen. Dieser Luft­raum ist das zen­trale Element der Schulerweiterung und dient als Kom­muni­kations- und Er­schließungsraum.

Die bei­den gleich­artig konzi­pier­ten Ober­geschosse gliedern sich in die nach Süden aus­ge­richteten Klassen- und Musikräume, den galerie­artigen in­neren Er­schließungs­gang mit Sitz­möglich­keiten sowie einer Neben­raum­zone mit Toi­letten, Lehr­mittel- und Technikräumen nach Nor­den. Eine großzügige Treppe im Luft­raum bindet die Klassenräume an die Pausenhalle an.

Re­duktion, Robust­heit und Far­be – mit diesen drei Be­griffen lässt sich das Ma­terial­konzept für die Schul­erweiterung um­schreiben. Die Anzahl der verwendeten Materialien wurde auf ein Mini­mum reduziert. Es wur­den robuste und somit für den Schul­betrieb gut geeignete Oberflächen gewählt. Dies sind an den Wänden Sichtbeton mit leichter Holz­struktur sowie akus­tisch wirk­same Wand­ver­klei­dungen aus ge­schlitzten und lackierten MDF-Platten.

Der Boden wurde mit Kautschuk belegt. Der Einsatz von Farbe dient zur Betonung des jeweiligen Nutzungsbereich des zukünftigen Stadt­hauses. Daher erhielt der Schul­baustein in den Er­schließungs­be­reichen und der Pausen­halle mit einem frischen und kräftigen Grün eine prägnante Farbe als eigenes Identi­fi­kations­merkmal. In den Klassenräumen ist die Farb­gebung zurück­hal­tender, hier wurden die MDF-Platten an den Wänden in ihrer Eigen­farbe belassen.

Die Fassade des Schulgebäudes ist erstes Teil­stück der Hülle des künfti­gen Neuen Stadt­hauses und hat daher zwei unter­schied­liche Ge­sichter: die spätere Aussenhülle nach Süden und Osten und die teil­weise temporäre Binnen­fassade nach Norden und Westen.

Die Außenhülle besteht primär aus Beton­fertig­teilen. Als be­son­dere Aus­ein­ander­setzung mit dem Ort be­sitzen diese Beton­platten eine relief­artige Oberfläche, die aus einem um­gekehrten Ab­druck der Be­stands­fassade der Stadt­halle stammt. Für die An­fer­tigung der Beton­platten wurden auf Grund­lage dieser Wasch­beton­platten Ma­tritzen an­ge­fertigt. Die Rahmen um die Fens­ter werden aus Fertig­beton­teilen mit glatter Oberfläche gebildet. Den Sonnen­schutz vor den großflächigen Fenster­bändern in den Ober­ge­schossen und dem raumhoch auf­ge­glasten Erd­geschoss gewährleisten Mark­isoletten, die auch im he­runter­gefahrenen Zustand Aus- und Ein­blicke ermöglichen. Die Binnen­fassaden nach Wes­ten und Norden ordnen sich in ihrer Ge­staltung der Aussen­hülle unter. Sie sind als kos­tengünstiges Wärmedämm­ver­bund­system ausgeführt und besitzen spie­le­risch ver­teilte klei­ne Fens­ter und Türen. Um den Passiv­haus­standard zu er­reichen, wur­den überall eine ent­spre­chend dicke und leis­tungs­fähige Wärmedämmung sowie Drei­fachwärme­schutz­verglas­ungen ausgeführt.

Die Schul­erwei­terung ist ein offenes, flexibles Haus, das sich ent­sprechend den vielfältigen Funktionen und Bedürfnissen seiner Nutzer immer wieder verändern kann. Das Herzstück bildet hier­bei das Raum­konti­nuum aus Pau­sen­halle und verti­kalem Er­schließungsraum. Die Pausen­halle mit der Cafe­teria dient als multi­funktionaler Bereich je nach Tages­zeit mal zum Mittag­essen, mal zur Haus­auf­gaben­betreuung, als Treff­punkt oder als Ver­anstal­tungsraum. Über die of­fenen Ga­lerie- und Er­schließungs­zonen sind die Akti­vi­täten im Haus stets erlebbar. Schule ist heute nicht mehr nur Lern­ort, sondern vie­l­mehr Lebens­raum, an dem Schüler und Leh­rer viel Zeit mit unter­schied­lichen Akti­vi­täten gemein­sam ver­bringen.

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