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Das neue NS-Dokumentationszentrum in München ist ein moderner und zu­kunfts­fähiger Lernort von überregionaler und internationaler Bedeutung. Er widmet sich der Aufarbeitung und Aus­ein­ander­setzung mit der Rolle der Stadt für den Nationalsozialismus. München ist als Ursprungs- und Aufstiegsort der na­tional­so­zialistischen „Bewegung“ und der NSDAP während der Weimarer Republik in besonderem Maße mit der Entstehung des Nationalsozialismus verbunden. In der Zeit der na­tio­nal­so­zialis­tischen Diktatur war München die Stadt der Parteileitung und -verwaltung, wie auch die inszenierte „Hauptstadt der Deutschen Kunst“ und „Hauptstadt der Bewegung“.

Die Auseinandersetzung mit der na­tional­so­zialis­tischen Terrorherrschaft und ihren Folgen für die Gesellschaft steht im Mittelpunkt des künftigen Do­kumen­tations­zentrums. Mit der Perspektive auf die Geschichte von Tätern, Mitläufern und Zuschauern, aber auch von Widerstand und Resistenz unterscheidet sich der Lernort grundlegend von Gedächtnisorten wie z.B. Gedenkstätten ehemaliger Konzentrationslager, die vorrangig der Erinnerung dem Leiden der Opfer gewidmet sind. Der besondere Anspruch der neuen Einrichtung besteht darin, die Erinnerung an die Zeit und Geschichte des Nationalsozialismus zu verankern. Gebäude, Ausstellungen, Seminar- und Veranstaltungsprogramm nehmen die historische Topographie sowohl der unmittelbaren Umgebung als auch ganz Münchens auf.

Die bauliche Dimension des Gebäudes und seine städtebauliche Präsenz müssen seiner Bedeutung in der Öffentlichkeit entsprechen. Die Un­ter­bringung des Do­kumen­ta­tions­zentrums in der Kubatur des ehemaligen Stadt­palais, das in seiner Konzeption aus dem 19. Jahrhundert stammt, wird der formulierten Aufgabe nicht gerecht. Vielmehr muß sich das neue Gebäude am Maßstab der umliegenden Kulturbauten orientieren, um eine angemessene Wahrnehmbarkeit im Stadtraum zu erhalten. Das geforderte Raumprogramm kann unter Einhaltung der Grundfläche des ehemaligen „Braunen Hauses“, zum großen Teil nur unter der Erde untergebracht werden.

Die Folge wäre ein der Thematik nicht adäquates Verstecken des neuen Do­kumen­ta­tions­zentrums. Aus diesen Gründen halten wir die in der Auslobung zur Verfügung gestellte bebaubare Fläche der Bedeutung der Aufgabe für nicht angemessen.

Das Dokumentationszentrum wird als einfacher, 12m hoher, rechteckicker Kubus längs zur Brienner Straße platziert. Er erstreckt sich vom Standort des ehemaligen „Braunen Hauses“ bis zur Ecke Brienner / Arcisstraße und bezieht den Sockel des nördlichen „Ehrentempels“ in den Entwurf mit ein. Diese „Besetzung“ des historischen Ortes lässt die Geschichte unmittelbar sichtbar werden und integriert den Sockel auf unmissverständliche Weise in den Neubau, ohne ihn zum Exponat werden zu lassen.

Die städtebauliche Präsenz des Do­kumen­tations­zen­trums am Königsplatz, einer vom NS-Regime zum Auf­marsch­platz missbrauchten klassizistischen Platzanlage, ist aus zwei Gründen von essentieller Bedeutung: Durch das „Dazwischenschieben“ des Hauses wird die strenge Symmetrie der beiden von Paul Ludwig Troost entworfenen „Verwaltungs- und Führerbauten“ aufgebrochen – der Neubau macht auf sich und seine Nutzung aufmerksam. Und zweitens gibt der Neubau durch die Integration des Sockels eine eindeutige Antwort auf den bis dato un­befrie­di­genden Umgang mit den baulichen Über­resten der „Ehrentempel.“

Das Dokumentationszentrum ist ein offenes und einladendes Haus. Die Besucher gelangen über eine großzügige Öffnung zur Brienner Straße in das zentrale Foyer. Die zweigeschossige Raumhöhe verleiht dem Entree eine angenehme Größe. Blickbezüge zu den einzelnen Nutzungen, ermöglichen eine erste einfache Orientierung. Den Kern des Gebäudes bildet eine mittig verlaufende, haushohe Wand, um die sich die zentrale Erschließung legt. Ein Glasband in der Dachdecke über der Mittelzone erzeugt spannende Lichtverhältnisse im Inneren.

Ziel der vorgeschlagenen Raumstruktur ist es eine Vielzahl an Bespielungen anzubieten. Durch unterschiedliche Raumproportionen kann die Dauer­aus­stellung offen und groß­raum­artig präsentiert werden. Die Bildung von Kabinetten und kleineren Raumgruppen ist ebenfalls leicht möglich. Die Wechsel­aus­stellung fungiert als Schaukasten des Gebäudes zur Straße.

Das Dokumentationszentrum ist ein hel­ler monolithischer Körper aus weiß-grauem Beton. Die Reduzierung auf ein einziges Material erzeugt einen Kontrast zum Stein des Sockels. Die Fas­sa­den­flächen werden geschliffen bzw. poliert und erzeugen eine hochwertige Wirkung des Materials. Präzise in den Baukörper eingschnittene Öffnungen unter­schied­li­cher Pro­portion und Größe ermöglichen gezielte Blicke. Es wird dabei zwischen dienenden und inszenierten Öffnungen differenziert. Durch letztere werden die geschichtlich wichtigen Orte und Bauten am Königsplatz miteinbezogen. Auch für die Wände im Innen­raum wird kon­se­quent das Material Beton verwendet. Terrazzo am Boden, sowie eine Licht­decke aus mattiertem Glas führen auch hier zu einer Reduktion auf das We­sent­liche und erzeugen eine Fokussierung auf den Inhalt.

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